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Wenn es vor Spannung nur so wandelt

12.11.2015

Schwer und behäbig ruht er auf dem betonierten Boden einer hohen, weiten Halle. Wäre er lebendig – er würde tief und ruhig atmen. Vier Meter ist er hoch, so hoch wie ein ausgewachsener Elefantenbulle. 85 Tonnen wiegt er – so viel wie elf der Dickhäuter. Der riesige Transformator steht in der Trafo-Werkstatt des Bayernwerks in Nürnberg.

Dort warten und reparieren der Energienetzbetreiber 110.000-Volt-Leistungstrafos wie den beschriebenen Koloss. Wenn ihn die Techniker durchgecheckt und aufgepäppelt haben, transportieren sie ihn zurück ins Umspannwerk, wo er herkommt. Dort empfängt der schwere Wächter des Stromnetzes den Strom, der schnell durch die Lleitungen Bayerns blitzt und wandelt den Strom zwischen Hoch- und Mittelspannung um.

 

Individuelle Behandlung in der Trafo-Werkstatt

Bei so viel Strom und Spannung, die sich durch die Spulen und Wicklungen der Trafos winden, müssen die Experten des Bayernwerks die beanspruchtn Geräte regelmäßig warten. Vor allem die riesigen 110-kV-Leistungstrafos: Einer von ihnen kostet etwa eine halbe Million Euro. Das ist ein Grud, dass von technischer Seite alles dafür gegeben wird, dass er so lange wie möglich am Netz bleibt.
641 dieser Hochleistungstrafos erledigen ihre Arbeit im Bayernwerk-Netzgebiet. Fast jeder ist ein Unikat - ausgelegt nach individuellen Faktoren wie Spannung, Leistung, Klima oder Netztopografie. Wenn einer von ihnen in die Werkstatt nach Nürnberg kommt, ist es fast, als würde ein Lebewesen mit seinen individuellen körperlichen Beschwerden von einem Arzt behandelt. Ähnlich einer Blutprobe entnehmen die Techniker dem Trafo Öl und analysieren es im Labor. Je nach dem, was solch ein großes Ölbild ergibt, bauen sie den Trafo auseinander, tauschen Teile aus, setzen ihn wieder zusammen, lackieren ihn neu und testen schließlich im sogenannten Prüffeld, ob er wieder einsatzbereit zum Spannungswandeln ist.

 

Bereit für Spannung

In Bayern ist das Bayernwerk der einzige Energiedienstleister, der Trafos wartet und repariert. In der Regel leisten das nur die Trafohersteller selbst. Das hat sich mittlerweile herumgesprochen und auch andere Netzbetreiber schicken Ölproben ihrer kränkelnden Riesen zum Check nach Nürnberg. Nach der Behandlung sind die riesigen Trafos dann fit, um bis zu weitere 50 Jahre zuverlässig und sicher Spannung umzuwandeln und die Stromverteilung im Freistaat möglich zu machen.

Autorin: Marlene Pratschke