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Netzleitstelle: Ohne sie würde unser Alltag stillstehen

10.11.2015

Morgens klingelt der Wecker. Das Licht im Haus geht beim Druck auf den Schalter an. Die Kaffeemaschine brodelt. Auf dem Smartphone schießen aktuelle Nachrichten und soeben eingetroffene E-Mails auf das Display. Strom ist unser permanenter Begleiter im Alltag. Wir nutzen die Elektrizität, ohne darüber nachzudenken. Jedoch ist es keine Selbstverständlichkeit, dass wir kontinuierlich mit Strom versorgt sind. Denn ohne die Mitarbeiter in den Netzleitstellen von Netzbettreibern wie der Bayernwerk AG würde unser Alltag stillstehen.

 

Fakt ist…

Eine Netzleitstelle ist das Herzstück eines jeden Energienetzbetreibers. Denn egal ob Strom oder Erdgas, hier laufen alle Informationen zusammen, die für die Verteilung und eine sichere Versorgung für alle notwendig sind. Daher muss dieser Posten 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr besetzt sein. Für 15 der 22 Mitarbeiter in der Hochspannungsnetzleitstelle des Bayerwerks in Dachau bedeutet dies Schichtarbeit. Von hier aus kontrollieren sie das 110-kV-Netz in fast ganz Bayern und tragen entscheidend zu einer sicheren Stromversorgung bei.

 

Aufgaben sind…

Konzentriert blickt Christoph Hof auf die Bildschirmwand vor sich. Auf den Monitoren ist eine Unmenge an Zahlen, Buchstaben und Linien zu sehen. Manche blinken. Der Leiter des Fachbereichs Netzsteuerung Hochspannung hat die Anzeige fest im Blick. Immer wieder laufen neue Meldungen ein, ab und zu klingelt ein Telefon. "Momentan ist alles ruhig. Aber das kann sich schnell ändern", verrät Hof. Störungen aufgrund der Witterung, Schäden an Betriebsmitteln, der Autokran, der in eine Leitung fährt, Überlastung im Netz. Sobald eine Meldung reinkommt, heißt es hin der Leitstelle schnell und richtig zu reagieren. Die große Erfahrung der Kollegen ist dabei ein wichtiger Faktor. Sie müssen bei der Arbeit immer einen kühlen Kopf bewahren.

Aber nicht nur die ungeplanten Vorfälle, sondern auch die vielfältigen Aufgaben des geplanten Tagesgeschäfts verlangen den Mitarbeitern einiges ab. So muss auch Jochen Masel bei der Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation von Schalthandlungen stets den Überblick bewahren. Der Schaltmeister weiß beispielsweise genau, wann auf welcher Baustelle ein spannungsfreier Arbeitsbereich gebraucht wird. Bevor die Kollegen auf der Baustelle mit ihrer Arbeit beginnen, nimmt Masel diesen Bereich vom Netz und erteilt eine Verfügungserlaubnis - ohne diese dürfen die Bauarbeiter vor Ort nicht mit ihrer Arbeit beginnen. Später muss Masel die freigeschalteten Teile wieder zuschalten. Zu Stromausfällen kommt es bei solchen gezielten Eingriffen ins Netz nicht.

Insgesamt sind die Aufgaben in der Netzleitstelle durch die Energiewende anspruchsvoller geworden. Denn während vor 20 Jahren lediglich die zentral von den Großkraftwerken erzeugte Energie verteilt wurde, ist heute das störungsfeie Management von mehr als 260.000 dezentralen, regenerativen Erzeugungsanlangen zu meistern. Das ist keine leichte Aufgabe, zumal die Solar- und Windkraftanlagen wetterabhängig Strom produzieren. Da aber eine Überspannung oder eine Unterversorgung zu vermeiden ist und somit der aktuelle Verbrauch und die vorhandene Einspeisung in der Waage zu halten sind, müssen die Mitarbeiter in der Netzleitstelle regulierend eingreifen.

 

Abstimmung bedeutet hier…

Um den Stromfluss zuverlässig steuern zu können, ist eine Abstimmung nicht nur innerhalb, sondern auch zwischen den verschiedenen Netzebenen sehr wichtig. Da im Netzverbund jeder Beteiligte einzelne Maschen eines zusammenhängenden Netzes betreut und Abhängigkeiten entstehen, arbeiten die Netzleitstellen der Höchst-, Hoch-, Mittel- und Niederspanungsebene eng zusammen. Denn zu welcher Spannungsebene eine Netzleitstelle organisatorisch gehört, ist dem Stromnetz egal. Der Einblick in eine Netzleitstelle zeigt, dass die Experten vor Ort an365 Tagen im Jahr einen verantwortungsvollen Job zu tragen haben, den sie mit Bravour meistern.

Autorin: Miriam Humml