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Juror bei einem Start-up-Wettbewerb – können Sie sich das vorstellen?

04.11.2016

Thorsten Hageböcker vom Bayernwerk war Mitglied in der Jury des Wettbewerbs „Energie Start-up Bayern 2016“. Bei einem Pitch-Event in München Mitte Oktober stellten sich junge Unternehmen aus der Energiebranche vor. Die Juroren wählten die besten drei aus, diese durften sich beim Bayerischen Energiepreis noch einmal präsentieren. Das Publikum der Preisverleihung kürte schließlich den Sieger, Sono Motors. Hier berichtet Thorsten Hageböcker von dem Event aus Sicht eines Juroren.

„Können Sie sich vorstellen, Juror bei einem Start-Up-Wettbewerb zu sein und dort das Bayernwerk zu vertreten?“ Die Antwort auf diese Frage fällt nicht schwer: Ja, das kann (bestimmt nicht nur) ich mir vorstellen. Mit neuen Geschäftsideen und Produkten habe ich häufig zu tun. Und hier geht es zudem noch um bayerische Energie-Start-Ups. Da bin ich neugierig, welche Ideen es gibt, wer sich dahinter verbirgt und ob sich die eine oder andere Zusammenarbeit mit dem Bayernwerk anbietet.

Wenn man über Juroren bei Start-Ups redet, dann kommt vielen spontan das Bild der tiefentspannten Geldgeber bei „Die Höhle der Löwen“ in den Kopf. Die lassen sich von aufgeregten Gründern berieseln, stellen kritische Fragen und am Ende investieren sie ohne mit der Wimper zu zucken 100.000 Euro für eine zehnprozentige Beteiligung an einer Idee für neuartigen Pizzateig. Oder sie steigen aus und lehnen sich wieder zurück.

Das läuft hier beim Energie-Start-Up Bayern ein wenig anders. Schnell wird klar, dass viel Zeit und Aufmerksamkeit in die Vorbereitung einfließt. Über 20 Start-Ups haben sich beworben, nur zehn erreichen den Pitch-Event in München. Alle Teilnehmer haben vorab umfangreiche Unterlagen eingereicht, die gesichtet und bewertet werden wollen. So geht es um die Business-Cases, die Marktchancen und vor allem: Um das Verstehen des jeweiligen Geschäftsmodells. In jedem einzelnen Fall ist unglaublich viel Engagement und Leidenschaft der Gründer eingeflossen. Diese Arbeit verdient es, ernst genommen und gewissenhaft betrachtet zu werden.

Nach vielen Diskussionen mit Kollegen und den Vor-Bewertungen der anderen Juroren stehen die zehn Finalisten fest. Das Werk 1 im Münchener Osten bietet ein fast schon klischeehaft angemessenes Ambiente für die Pitches: Nichts ist schick, alles improvisiert – rustikaler Industriecharme pur. Die Mehrheit meiner Mitjuroren kommt aus dem Hochschulbereich. Das ist interessant, denn bei den Beurteilungen fließen somit verschiedene Blickwinkel und Interessen ein.

Die Präsentationen selber sind extrem vielfältig, sowohl in der inhaltlichen Breite als auch in der Qualität der Darstellung. Die Bandbreite erstreckt sich von Wälzlagern in Windkraftanlagen über optimierte Windlenkung an Trockenkühltürmen bis hin zu Photovoltaik-Elektroautos mit Klimaanlagen aus Moos. Nach jedem Pitch gibt es Fragen zum Verständnis, zu den potenziellen Kunden oder zum Ertragsmodell – und eine kurze schnelle Beurteilung.

Die Bewertungen der Juroren sind trotz der unterschiedlichen Perspektiven und Hintergründe erstaunlich ähnlich. In der gemeinsamen Diskussion, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, geht es vornehmlich um Details. Am Ende werden drei gleichwertige Sieger gekürt, die zwei Wochen später erneut, aber vor einem anderen Gremium um den Gesamtsieg antreten werden. Hier geht es, im Unterschied zu „Die Höhle der Löwen“ nicht um Anteile oder Finanzierungen, sondern hauptsächlich um die Erweiterung des Netzwerks, damit die Geschäftsidee einen zusätzlichen Schwung bekommt.

Tatsächlich gewinnt die Idee des Elektroautos mit PV-Elementen und einer Moos-Klimatisierung den diesjährigen Energie-Start-Up Bayern. Wenn diese Autos in ein paar Jahren tatsächlich auf unseren Straßen fahren, dann werde ich mit Sicherheit an die Anfänge und dieses Event zurückdenken.

 

Text: Thorsten Hageböcker

Bilder: ©ZD.B | Stephan Görlich