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Drei Fragen an.. ein SF6-Molekül

28.09.2016

Schwefelhexafluorid hat nicht nur sechs Arme und ist für (fast) jeden Spaß zu haben. Das Gas ist auch extrem temperaturbeständig und dient im Energienetzbetrieb in Schaltanlagen als Isolierung. Wir wollten genauer wissen, was sich hinter SF6 verbirgt.


Du siehst aber seltsam aus, wieso hast du denn sechs Arme?

Wer in der Schule aufgepasst hat, weiß das doch: Ich bin eine anorganische chemische Verbindung. An meinem Schwefelkörper hängen sechs Fluorarme dran. Unter normalen Bedingungen bin ich gasförmig und fünfmal dichter als Luft. Deshalb kann man mit mir auch einige witzige Dinge anstellen. Die meisten dürften schon einmal einen Heliumballon inhaliert haben und davon eine hohe Micky-Maus-Stimme bekommen haben. Macht man dasselbe mit mir, passiert genau das Gegenteil und man bekommt plötzlich eine ganz tiefe Stimme. Auch wenn ich nicht giftig bin, muss man dabei aber gut aufpassen, denn ich behindere die Abatmung von Kohlendioxid. Deshalb ist die Gefahr eines Atemstillstandes wesentlich größer, als etwa bei Helium. Außerdem kann man mich wie eine unsichtbare Flüssigkeit in einen Topf gießen und leichte Gegenstände wie Alufolie auf mir „schwimmen“ lassen. Das sieht dann aus wie Zauberei!

 

Das klingt zwar interessant, aber kann man dich auch für weniger alberne Dinge nutzen?

Natürlich! Und zwar als Isoliergas in der Mittel- und Hochspannungstechnik, wo ich in gasisolierten Schaltanlagen für Sicherheit sorge. In Hochspannungsschaltern bin ich zusätzlich als Löschgas im Einsatz und halte den enormen Temperaturen eines Schaltlichtbogens stand, vor allem wenn es darum geht, einen Kurzschluss abzuschalten. Ich kann nämlich auch nicht brennen.

 

Und wie sieht es mit deiner Klimaverträglichkeit aus?

Ich bin zwar ein Treibhausgas, aber beim Bayernwerk geht man sehr sorgsam mit mir um. Ich verrichte meinen Dienst nur in gut abgedichteten Geräten und Schaltanlagen. Muss ich aus diesen bei einer Wartung doch mal raus, dann werde ich in eine Gasflasche abgepumpt. So komme ich gar nicht erst in die Atmosphäre.

 

Illustration: Adrian Sonnberger; Text: Ludwig Gengnagel