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12.12.2016

münchen.tv: 22. Internationaler Bayernwerk Junior Cup 2016

194 Nachwuchskickern hat der Bayernwerk Junior Cup, Europas größtes Hallenturnier im E-Jugend-Fußball, schon den Weg ins europäische Profigeschäft geebnet. Auch Adrian und Jannik wollen es dieses Jahr packen: aus einer grau-grün-betonierten Turnhalle im oberbayerische Gilching hinaus in die schillernde Fußballwelt.

 

Wer einmal als Fußballknirps am dritten Novemberwochenende in der Gilchinger Gymnasiumsturnhalle auflaufen darf, hat zumindest einen ersten Schritt in Richtung Profikarriere getan: Neun Nachwuchsfußballer schaffen es im Schnitt jedes Jahr, sich von hier aus zum Berufskicker zu mausern. Neun von jährlich knapp 200 beim Bayernwerk Junior Cup.

 

Interview vor laufender Kamera

 

„Was werden Sie denn fragen“, ruft Adrian münchen.tv-Reporterin Johanna Nagel hinterher. Vorbei an Verkaufstischen mit selbst geschmierten Semmeln und hausgemachtem Kuchen drängen sich die Beiden durch eine Zuschauertraube zum Hallenausgang. Die Kamera steht im Lot, das Mikro ist ausgepegelt. Adrian zieht den Reißverschluss am Kragen seiner rot-weißen Trainingsjacke ein paar Mal rauf und runter. „Das machen wir ganz spontan“, nickt TV-Reporterin Johanna dem Jungen mit dem braunen Wuschelhaar lächelnd zu. „Kamera läuft.“

 

18 Mannschaften sind in diesem Jahr bei der 22. Auflage von Europas wohl wichtigstem Hallentitel im Jugendfußball dabei, der FC Bayern München, Borussia Dortmund, Red Bull Salzburg und der FC Basel etwa. Und neben dem Gastgeber, dem TSV Gilching-Argelsried, eben auch „ein Landkreisverein“ wie Adrians FT Starnberg 09. „Bei den Jungs der großen Mannschaften steht natürlich der Gedanke dahinter, einmal einer der ganz Großen zu werden“, sagt Ansgar Brossardt, der federführende Organisator des Junior Cups. Nicht nur am Turnierwochenende ist „der Ansgar“ das Mädchen für alles. Wenn Not am Mann ist, hilft er seinen Sportkameraden beim TSV selbst beim Kaffeeausschenken. „Der ganz normale Wahnsinn eines Fußballverrückten“, findet Brossardt.

Schlusspfiff bei der Vorrundenpartie Bayern München gegen den TSV Gilching-Argelsried 1. Der souveräne 6:0-Sieg ist bei Bayern-Trainer Kay Altenkirch schnell abgehakt. Adrian hadert dagegen mit dem unglücklichen 0:1 seiner Jungs gegen die taktisch überlegenen Hoffenheimer. „Eigentlich werden hier ja nur die Nachwuchsleistungszentren mit den großen Namen eingeladen“, sagt Katrin Rumland, Jugendleiterin bei der FT Starnberg und Adrians Trainerin. Doch dank eines knappen 3:2-Finalsiegs über den FC Greifenberg bei einem Qualifikationsturnier Ende Oktober in Gilching darf Adrian an diesem Wochenende gegen die Götzes, Hummels und ter Stegens von morgen spielen.

Bayern-Verteidiger Jannik Joas sollte man jedenfalls für die Zukunft auf dem Zettel haben. Denn rein rechnerisch stehen bei jedem Junior Cup vier künftige europäische Erstligaprofis auf dem Gilchinger Hallenboden. „Ehrgeiz ist immer gut“, findet Jannik. „Aber wenn du dich unter Druck setzt, spielst du nicht mehr gut“, diktiert der Bayern-Ausputzer münchen.tv-Reporterin Nagel in die Kamera. Auch beim TV-Interview hat Bayern-Trainer Altenkirch seine Schützlinge fest im Blick. Anders als mit Janniks Fernsehauftritt ist der Bayern-Coach allerdings mit dem knappen 1:0 seiner Jungs im Halbfinale gegen den VfB Stuttgart unzufrieden. „Für uns ist das hier die seltene Chance, uns gleich mit mehreren deutschen und europäischen Spitzenmannschaften zu messen“, erklärt Altenkirch. Eine Chance, die der bis dato dreimalige Junior-Cup-Sieger auch in diesem Jahr erfolgreich nutzen will. Mia san schließlich mia.

Kurz nach Eins: „Hat jemand den Ansgar gesehen“, ruft einer der fleißigen TSVler über die Verkaufstische hinter der Zuschauertribüne. Am frühen Sonntagnachmittag geht der Bayernwerk Junior Cup in seine heiße Phase. Während die Salamisemmeln weniger werden und das letzte Stück Marmorkuchen im Mund einer hungrigen Spielermama verschwindet, zieht sich Jannik vor dem Finale gegen Austria Wien in die Kabine zurück. Kameras sind jetzt, ein paar Minuten vor der Einlaufzeremonie, unerwünscht. Noch einmal gilt: „Högschde Konzentration.“

 

Profis und Nationalspieler

76 Nachwuchsteams aus elf Ländern haben bislang um den Junior Cup gekämpft. Unter den E-Jugend-Spielern von damals sind heute neun aktuelle A-Nationalspieler aus Deutschland, Tschechien, Österreich und den Niederlanden. Neben Mario Götze, Mats Hummels und Marc-André ter Stegen etwa auch Bayern-Verteidiger David Alaba. Der derzeitige Marktwert aktueller Fußball-Profis, die einst beim Junior Cup aufgelaufen sind, liegt laut Transfermarkt.de bei 350 Millionen Euro.

„Natürlich geht es hier auch mit viel Ernst zur Sache“, gibt Junior-Cup-Organisator Brossardt unverhohlen zu. Aber am Ende ginge es den Jungs in erster Linie um ihren unbändigen Willen, einfach nur Fußball zu spielen. „Das sind halt Verrückte“, findet – ausgerechnet – „der Ansgar“.

Weitere Informationen:

www.bayernwerk-juniorcup.de