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Schneller ans Netz

Schneller ans Netz
Foto: Christian Martens/Bayernwerk AG

Der Anschlussboom bei erneuerbarer Energie in Bayern hält an. Die Bayernwerk Netz prüft den Anschluss neuer Großanlagen künftig erst dann verbindlich, wenn aufgrund einer fortgeschrittenen Planungstiefe eine hohe Realisierungswahrscheinlichkeit anzunehmen ist.

Ein in dieser Form nie dagewesener Anschlussboom bei erneuerbarer Energie führt zu verlängerten Wartezeiten für die Inbetriebnahme dezentraler Erzeugungsanlagen im Bayernwerk-Netz. Nachdem im vergangenen Jahr Spitzenwerte von monatlich 6.000 Anfragen nach Neuanlagen eingingen, erhält die Bayernwerk Netz GmbH (Bayernwerk) derzeit rund 11.000 Anfragen monatlich. Für Großanlagen gingen 2022 insgesamt etwa 3.800 Anfragen ein. Die Masse der Anfragen führt insbesondere bei leistungsstärkeren Anlagen zu einem immensen Berechnungs- und Planungsaufwand, der den Anschluss der Anlagen verzögert. Damit sind größere Anlagen wie Photovoltaik-Freiflächenanlagen mit einer Leistung größer als 300 Kilowatt gemeint.

Blockierte Netzkapazitäten

Die Netzverträglichkeit und Einbindung muss im Detail für jedes einzelne Anlagenvorhaben berechnet und geplant werden. „Wir stellen allerdings seit Langem fest, dass weniger als zehn Prozent der eingereichten Anlagenvorhaben am Ende umgesetzt werden. Mehr als 90 Prozent sind demnach zunächst Projektanfragen ohne Planungsreife, die eher Prüfungscharakter haben und über deren tatsächliche Umsetzung noch nicht entschieden ist“, stellt Robert Pflügl, Geschäftsführer der Bayernwerk Netz GmbH, fest. Diese mehrheitlichen Prüfanfragen würden jedoch freie Kapazitäten im Netz blockieren und als Reservierungen in der Netzberechnung die organisatorische Anschlussleitung stark verengen.

Weg frei für planungsreife Anlagen

Um die Energiewende zu beschleunigen, müssen laut Robert Pflügl die Anlagen mit einer hohen Realisierungsabsicht und entsprechender Planungsreife auf die Überholspur. Deshalb habe sich das Bayernwerk schon im Herbst vergangenen Jahres mit einem Zehn-Punkte-Plan an die Politik gerichtet. „Einer unserer Vorschläge ist es, bei Anlagenprojekten die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weg für Anlagen mit einer hohen Realisierungswahrscheinlichkeit freizumachen“, erklärt Robert Pflügl. In Abstimmung mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie wurde das Verfahren zur Anmeldung von leistungsstarken Erzeugungsanlagen umgestellt.

Nachweise über die Planungsreife

Verfügbare Netzkapazitäten werden inzwischen nur noch für Anmeldungen mit entsprechender Planungsreife reserviert. Neben der Planung der Erzeugungsanlage müssen erste Umsetzungsanforderungen erfüllt sein. „Neben dem Nachweis des Grundstückseigentümers zur Bevollmächtigung muss zur Anmeldung entweder eine Eingangsbestätigung des vollständigen Baugenehmigungsantrags, ein positiver Vorbescheid oder ein vorhabenbezogener Bebauungsplan, auch Aufstellungsbeschluss, vorliegen. Sind die entsprechenden Nachweise für die Planungsreife erbracht, starten wir die verbindliche Ermittlung und Reservierung des Netzverknüpfungspunkts für die jeweilige Erzeugungsanlage“, erläutert Bayernwerk Netz-Geschäftsführer Robert Pflügl. Mit dieser Vorgehensweise sei eine deutliche Beschleunigung zur Bekanntgabe eines Netzverknüpfungspunkts für alle eingereichten Anlagen gleichermaßen gewährleistet, da Netzkapazitäten nur noch für Anlagen mit einer fortgeschrittenen Realisierungswahrscheinlichkeit reserviert werden. Die betroffenen Kunden des Bayernwerk wurden rechtzeitig über die Veränderung des Verfahrens informiert. „Damit werden wir für alle Anlagen den Anmeldeprozess absehbar auf weniger als acht Wochen im Schnitt beschleunigen“, sagt Robert Pflügl.

Digitales Tool „SNAP“

Um die Projektierung von Anlagen zu erleichtern und eigenständig einen möglichen Netzverknüpfungspunkt bereits am Anfang einer Anlagenplanung prüfen zu können, hat das Bayernwerk das digitale Online-Tool SNAP – Schnelle Netzanschlussprüfung – eingeführt. „SNAP bietet schnell und unverbindlich ein gutes Indiz für Planer einer neuen Anlage. Seit Einführung von SNAP im April spüren wir bereits eine Entlastung unserer Netzberechnungsteams. Das Tool ersetzt aber nicht unsere verbindliche Netzberechnung für eine Netzanschluss-Zusage, wenn alle erforderlichen Anmeldeunterlagen eingegangen sind“, betont der Bayernwerk-Netz-Geschäftsführer.
Im gesamten Anschlusswesen setze das Bayernwerk neben jährlichen Rekordbudgets für Netzverstärkung und -ausbau auf Standardisierung, Digitalisierung und Automatisierung. Zudem sind zahlreiche Mitarbeiter neu eingestellt und die Kapazität der eingesetzten Experten in der Netzberechnung erhöht worden.

Dynamischer Zubau erneuerbarer Energie

Der Zubau erneuerbarer Energie im Bayernwerk-Netz geht dynamisch voran. Im ersten Halbjahr 2023 wurden 35.000 neue Anlagen erfolgreich an das Verteilnetz in der Nieder-, Mittel- oder Hochspannung angeschlossen. „Vor Kurzem haben wir die 400.000. PV-Anlage ans Netz angeschlossen“, berichtet Robert Pflügl. Über 70 Prozent der Energie, die durch das Bayernwerk-Netz fließt, stamme bereits aus regenerativen Quellen.