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Mehr als 260.000 zentraler Erzeugungsanlagen speisen in das Bayernwerk-Netz ein. Dabei steigt die installierte Leistung der regenerativen Einspeiser so stark an, dass die bestehenden Netzkapazitäten in bestimmten Regionen im Netzgebiet des Bayernwerks nicht länger ausreichen und den Neubau einer Kabelleitung erforderlich machen.

Das Strom-Verteilnetz hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Längst ist es kein statisches Element mehr, das nur für Aufnahme und Verteilung von Strom von A nach B bereit steht. Es geht darum, schwankende Einspeisung auszugleichen, Erzeugung und Verbrauch im Gleichgewicht zu halten und immer mehr die Rolle als Steuerungszentrale regionaler Energieflüsse wahrzunehmen.

Um  große unterschiedliche Energiemengen bewältigen und möglichst erzeugernah einsetzen zu können, bedarf es der Erweiterung unserer Netzkapazitäten. Nur so können wir als Betreiber die Netze stabil und sicher halten.

Die wesentlichen Anforderungen an unsere Netz sind:

  • Große Leistungsfähigkeit
  • Beherrschung der schwankenden Einspeiseleistungen aus Wind und Photovoltaik
  • Komponenten, die zur Netzentlastung beitragen und mit den Kapazitäten haushalten können

Das vorrangige Ziel bei der Entwicklung einer neuen Kabelleitungstrasse ist es, mögliche Beeinträchtigungen für Mensch und Umwelt so gering wie möglich halten.

Dem Bau einer 110-kV-Kabelleitung gehen stets intensive umweltfachliche und technische Planungen und Untersuchungen voraus.

Es gelten die Grundsätze:

  • Möglichst kurze Trassenführung zwischen Umspannwerk und Anknüpfungspunkt
  • Möglichst keine Querung von Siedlungsflächen, Naturschutzgebieten, Biotopen, Wasserschutzgebieten, erfassten Denkmälern und Bannwald
  • Möglichst effektive Bündelung der Kabelverbindung mit vorhandener Infrastruktur
  • Möglichst konsequente Nutzung vorhandener Wege als Baufläche
  • Einsatz von grabenlosen Tiefbauverfahren (zum Beispiel Spülbohrverfahren bei Gewässerquerungen)

 

Schutz von Mensch, Natur und Landschaft

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Bei einer Erdkabelleitung sind die Auswirkungen auf Klima, Luft und Landschaftsbild vergleichsweise gering. Zum Ausgleich unvermeidbarer Beeinträchtigungen in Natur und Landschaft dienen landschaftspflegerische Maßnahmen wie die Neuanlage von Biotopen. 

Grundsätzlich werden bei der Suche nach einer möglichen Kabeltrasse strenge Kriterien angelegt.

Menschen und Nutzung

  • Berücksichtigung ausreichender Abstände zu Wohngebäuden
  • Berücksichtigung der kommunalen Siedlungsentwicklung
  • Berücksichtigung von Erholungsgebieten 

Tiere und Pflanzen

  • Berücksichtigung von Lebensräumen und Tierwanderungen, vor allem von bodengebundenen Tiergruppen wie Amphibien, Reptilien, Insekten und Weichtieren
  • Berücksichtigung von naturschutzrechtlichen Schutzgebieten und geschützten Biotopflächen, wie zum Beispiel Feuchtgebiete, Auen, Quellbereiche, Sümpfe und Moore
  • Weitgehende Vermeidung von Gehölzeinschlägen und Rodungen 

Boden und Wasser

  • Berücksichtigung von Wasserschutzgebieten
  • Berücksichtigung von Gewässern
  • Berücksichtigung von Bodengefüge, Bodenfunktion und Bodenwasserhaushalt 

Denkmäler

  • Berücksichtigung von Bodendenkmälern

Bei der Kabelverlegung hat die Schonung der Böden oberste Priorität. Dazu wird die Bauweise insb. mithilfe der folgenden Maßnahmen optimiert.

  • Wanderbaustelle: Der Kabelgraben wird täglich abschnittsweise rund 300 Meter ausgehoben, mit Lehrrohren verlegt und sogleich wiederverfüllt.
  • Die eigentlichen Stromkabel werden erst danach in einem weiteren Schritt in die Leerrohre eingezogen.
  • Die Unterquerungen von Gewässer oder Straßen erfolgt durch grabenlose Spül- oder Pressbohrungen.
  • Zufahrten und Bauwege entlang der Trasse werden mit Platten ausgelegt.
  • Mutterboden und Aushub werden getrennt voneinander neben dem Kabelgraben gelagert und so eine Vermischung der Bodenarten verhindert.

Der Kabelgraben als 3D-Querschnitt

 

Nach Abschluss der Baumaßnahmen können alle Äcker und Wiesen, unter denen die neue Kabelleitung verläuft, wieder wie gewohnt landwirtschaftlich genutzt werden. Die Behandlung der Erde oberhalb der Kabelleitung mit Geräten wie Pflug, Egge oder anderen Bodenlockerern ist uneingeschränkt möglich.

Um Beschädigungen oder Ausfälle zu vermeiden, wird rechts und links der Kabelleitung ein sogenannter Schutzstreifen festgelegt. Auf einer Breite von jeweils fünf Metern ist dauerhaft keine Bebauung oder die Anpflanzung von tiefwurzelnden Gewächsen gestattet. Damit wird sichergestellt, dass das neue Erdkabel möglichst lange ohne Beeinträchtigung und Beschädigung in der Erde liegen kann. So werden weitere Erd- und Reparaturarbeiten möglichst vermieden. Die voraussichtliche Betriebsdauer der Kabelleitung liegt bei rund 50 Jahren.